Wir haben unsere erste WWOOFing-Tour in der Nähe von South Johnstone, was wiederum in der Nähe von Innisfail liegt, erfolgreich beendet. Innisfail selbst hat nichts besonderes zu bieten und wäre eigentlich kein Zwischenstopp wert gewesen, wenn uns nicht hier unsere erste WWOOF-Gastfamilie abgeholt hätte. Für alle die nicht wissen, was WWOOFen ist oder den letzten Artikel nicht gelesen haben: WWOOFen bedeutet Willing Workers on Organic Farms, was heißt, dass eine Farm einen oder mehrere WWOOFer bei sich aufnimmt, für Verpflegung und Unterkunft aufkommt und als Gegenleistung arbeitet der/die WWOOFer/in 4-5 Stunden täglich auf der Farm oder im Haushalt.
Wir stiegen also in den Greyhoundbus und fuhren von Cairns nach Innisfail wo unser erster Gedanke war: In was für einem Kaff sind wir denn hier gelandet? Grundstücke müssen hier außerdem ziemlich billig sein, weil anders ist es nicht zu erklären, dass hier alle Häuser mit kilometerweitem Abstand gebaut werden und geschätzte 2000m² groß sind. Zuerst hatten wir einige Schwierigkeiten Kontakt zu unserer Gastfamilie aufzunehmen und somit warteten wir erstmal einige Stunden vor dem Supermarkt, bis uns dann Jane, die Gastmutter, abholte und unser Gepäck im Auto verstaute. Da sie aber noch zu arbeiten hatte, konnten wir den restlichen Tag nach unserem Belieben in Innisfail verbringen, was wir auch taten, indem wir in der Bücherei blieben, die sogar einige deutsche Bücher hatte und außerdem eine Karte von Innisfail. Abends fuhren wir dann mit Jane in unser neues Zuhause, wo wir den Rest der Familie kennenlernten: Peter, ihr zweiter Lebensgefährte, seinen Sohn Thomas (20) und die Hunde Izzy und Ruby, wobei Izzy noch ein Welpe ist. Außerdem gibt es noch zwei “Untermieter”, Sady und Johno, die in der Hütte nebenan wohnen. Johno ist zudem noch arbeitslos und leistete uns gelegentlich tagsüber Gesellschaft. Normalerweise wohnt auch noch Peters Tochter Kate und Janes Töchter hier, aber die waren zu diesem Zeitpunkt, alle nicht da, bzw. im Internat oder an der Uni. Wir bekamen ein leerstehendes Zimmer und stellten erstaunt fest, dass sowohl Internet, als auch Fernseher und Dvd-Player vorhanden war, was wir so weit außerhalb nicht erwartet hätten. Es gab außerdem noch einen riesigen Garten, wo alles mögliche angebaut wurde und einen Swimming Pool. Wir kamen am Freitag an und da dies das Ende der Arbeitswoche bedeutete gab es Fast Food zum Abendessen, da man freitags zu faul ist um etwas umständliches zu kochen. Anschließend kam noch eine Nachbarin mit zwei kleinen Töchtern zu Besuch mit denen wir dann “Four-in-a-row”(4-gewinnt) spielten, allerdings nach deren Regeln, sodass egal wie die Steine lagen, sie immer gewannen. Da es am nächsten Tag früh aufstehen hieß, gingen wir auch früh schlafen.
Samstag morgen:
Früh aufstehen, Frühstück, dann Erde von A nach B schippen um einen ebenen Untergrund rund um den Pool zu schaffen, damit ein Weg angelegt werden kann. Danach waren wir ziemlich erschöpft =)
Samstag mittag:
Ausruhen und Nichtstun, abends dann das Highlight: Da hat tatsächlich einer angerufen, der Wayne heisst! Warum wir zwei es so lustig fanden, hat sonst niemand verstanden.
Sonntag:
Warmes Luxusfrühstück mit Speck, Eiern, Gemüse und Toast, Martin geht danach Boot fahren und Crabben/Fischen mit Peter und Thomas, Jana darf aufräumen und einkaufen mit Jane (Was ist besser?), selbstgefangene Krabben zum Abendessen (mit Gästen), sahen unsere ersten wildlebenden Känguruhs bzw. Wallabies
Montag:
Aufstehen, Frühstück, Garten gießen, dann Wand von grobem Schmutz befreien, da diese am Tag darauf gestrichen werden soll. Ziemlich anstrengend und heiß… danach ausruhen und abends mit dem Fahrrad die Gegend erkunden, wo es aber eigentlich nur Bananenfelder hat. Haben die besten Bananen zum extrem günstigen Preis von A$1,50/kg gekauft. Wobei die Dame am Schalter so nett war und uns 2kg zum Preis von einem verkauft hat.
Dienstag:
Haben die am Vortag vorbereitete Außenwand gestrichen. Das war die einzige Arbeit, die uns 5 Stunden gekostet hat. Zufrieden mit unserer Arbeit haben wir alle Klebestreifen, die wir zuvor an Fenstern und dem unteren Teil des Hauses, da dieser grün gestrichen werden soll, angebracht haben, wieder entfernt. Leider haben wir am Abend dann erfahren, dass man eigentlich noch eine zweite Farbschicht auftragen muss, also hieß es frischen Klebeband besorgen und auf einen sonnigen Tag warten.
Mittwoch:
Aufgabe des Tages: Sämtliche Küchenschränke und den Kühlschrank bzw. Gefrierschrank ausräumen, abstauben und wieder einräumen. Hat sich viel leichter angehört als es dann tatsächlich war, denn wer rechnet schon damit, dass die Familie 20 Kakerlaken in den Schränken aufbewahrt. Zudem wird anscheinend in dem Haushalt nichts verworfen, denn selbst leere Ketchup-Flaschen und Tupperware-Deckel ohne dazugehörige Box werden hier ohne Grund behalten. Extrem verschimmelte Nahrungsmittel werden hier entweder noch gegessen oder zumindest für die Schimmelpilze im Kühlschrank gelagert.
Donnerstag:
Da mal wieder ein Regentag war (von Oktober bis etwa Mai ist es in Queensland zwar heiß, aber durch den extrem hohen Regenfall auch sehr schwül), konnten wir auch heute die Außenwand nicht fertigstreichen. Stattdessen gab uns unsere WWOOFer-Familie die Aufgabe ihre zwei Schränke mit ihrer Gemstone(Edelstein)-Sammlung zu entstauben. Sowohl Jane als auch Peter sind leidenschaftliche Gemstone Seeker, sie besitzen sogar Metalldetektoren! Also machten wir uns daran die zwei Schränke abzuwischen, doch leider kam die Aufgabe unserem Besuch in der Crocodile Farm in den Weg, weshalb wir frühzeitig mit der Arbeit aufhören mussten, um mit dem Fahrrad die etwa 15km lange Strecke von unserem Haus zu der Croc Farm zurückzulegen.
Die Croc Farm beherbergt neben etwa 25 Süß-/Salzwasser Krokodilen (darunter einige Alligatoren) auch Känguruhs, Cassowaries, Emus, Dingos, Pfauen und Papageie. Einen Salzwasserkrokodil mit einer Länge von rund 5m aus nächster Nähe anzusehen ist schon sehr beindruckend. Wir haben während unserer Tour durch den Park ziemlich viel über Krokodile gelernt, z.B. dass sie an Land relativ langsam sind, sie nach 10m Laufen erst mal einige Sekunde/Minuten Pause machen müssen (bei über 350kg die zu tragen sind ist das auch nicht groß verwunderlich), sie keine Zunge haben, ihre Nahrung komplett schlucken, weshalb sie auch mehrere Wochen brauchen um ihre Speise zu verdauen, nur etwa ein Huhn pro Woche benötigen, da sie sich kaum bewegen und im Grunde nur in der Sonne liegen (Kaltblüter) und die einzigen Tiere in der Welt sind, die Salzwasser trinken können. Nach der Fütterung der Krokodile durften wir noch herumirrende Känguruhs streicheln und wurden dann auch kurz danach von unserer Gastfamilie abgeholt.
Freitag:
Regen. Das hieß für uns also wieder kein Haus streichen. Da wir den Schrank am Vortag nicht komplett gereinigt haben, sollten wir dies heute tun. Zudem sollte die rechte Außenwand fürs Streichen vorbereitet werden, d.h. wieder mit Handschwämmen für mehrere Stunden in jede Ritze reingehen und den in (wahrscheinlich) 10 Jahren angelagerten Staub und Dreck entfernen. Die einzige Herausforderung des Tages: Kein fließendes Wasser! Der Wassertank im Garten war leer, weil man ihn vergessen hatte aufzufüllen. Die Wasserpumpe wurde morgens ausgeschalten, damit sie nicht sinnlos Luft pumpt und dadurch kaputt geht. Dafür wurde eine andere Wasserpumpe angeschalten, die Wasser aus irgendeinem Brunnen in den Wassertank beförderte. Ohne Wasser standen wir also da. Kein Tee, keine Dusche, kein Zähneputzen und das Schlimmste, kein Wasser um den Schrank oder die Außenwand zu putzen
. Nach einem sehr verwirrenden Telefonat mit unserem WWOOF-Vater wie wir die andere Pumpe wieder zum laufen bringen können und mehreren vergeblichen Versuchen die Anweisungen zu rekonstruieren, kam zum Glück unser Nachbar Johno, der das Problem relativ schnell fixte. Wir konnten endlich wieder arbeiten (juhu!). Doch zuvor gönnten wir uns unseren verdienten Tee und Zähneputzen war auch noch drin. Nachdem wir den Schrank mit den Gemstones geputzt hatten verließ uns die Motivation, weshalb wir nur teilweise mit der Außenwand angefangen haben (als Ausrede haben wir es auf den (nicht vorhandenen) Regen geschoben).
Wir haben also beschlossen, dass wir mit der Arbeit fertig waren und widmeten uns nun dem heutigen Highlight zu: Schwäbische Linsensuppe! Am Vortag haben wir alles Benötigte gekauft: Linsen und noch mehrere geheime Zutaten, die wir hier leider nicht verraten können
Aber man muss sagen, dass uns die Suppe wirklich sehr gut gelungen ist, fast besser als bei Mama.
Abends hatte Kate dann einen Schulauftritt mit ihrer “Drama-class”. Das Stück wurde jedoch auf zwei Abende aufgeteilt, weshalb wir die Geschichten nicht wirklich verstanden haben (evtl. lag das aber auch an der extrem klaren Aussprache (NOT! – Mitglieder der Nuschel e.V.). Bisschen lächerlich war zudem, dass das Stück selber zusammen nur etwa 30-40 Minuten ging. Nach Hause. Schlafen.
Samstag:
Heute konnten wir dann endlich wieder ein wenig ausschlafen, wir sind erst um 8Uhr(!) aufgestanden. Kurz nach dem Frühstück ging es dann River Rafting, nein, nicht White Water Rafting, sondern River Rafting auf dem South Johnstone River. Die Strömung hat einen fast auf dem Boot geschmissen oder evtl. auch nicht. Man musste die ganze Strecke Paddeln um überhaupt voranzukommen. An einigen Stellen sind wir sogar steckengeblieben, weil das Wasser teilweise nur etwa 10cm hoch war. Schwimmen haben wir uns nicht getraut, da irgendwo in dem Fluss sich ein Krokodil verirrt hat. Nach 2,5h Paddeln, Sonnenbaden und die Landschaft genießen wurden wir von Jane wieder abgeholt und nach Hause gebracht. Zuhause angekommen war Arbeiten wieder angesagt. Außenwand fertiggeputzt und Verandadach wurden zur Hälfte geputzt. Abends kamen noch Gäste vorbei und wir hatten ein leckeres 3-Gänge Menü.
Sonntag:
Juhu, Sonntag, keine Arbeit!!! Falsch gedacht! Das Verandadach musste noch gereinigt werden, hat uns wieder 3h gekostet und extrem viel Schweiß, da wir kopfüber arbeiten mussten. Dafür wurden wir später mit einer Fahrt zu den Josephine Falls belohnt. Ein wunderschöner Wasserfall mit kleinem See im naheliegenden Nationalpark, dessen Namen so kompliziert ist, dass wir ihn schon wieder vergessen haben. Der Ort war so schön, dass Martin beschlossen hatte ein Teil von seinem Blut als Erinnerung zu hinterlassen. Er hatte einen kleinen Kampf um die Rangordnung mit einem Felsen. Dieser hat sich heimtückisch unter Wasser versteckt und nur darauf gewartet, dass Martin einen Tauchversuch startet. Der Felsen war außerdem ziemlich gewalttätig und wollte den Konflikt nicht nur mit Worten regeln…
Montag:
Selbst an unserem letzten Tag hier mussten wir arbeiten. Eigentlich wäre es unsere Aufgabe gewesen eine Menge Erdhügel auf dem Boden zu verteilen, aber der Regen hielt uns davon ab, sodass wir nur einen Teil der Arbeit tun konnten und uns auch viel zu schwach fühlten, um noch mehr körperliche Arbeit zu leisten, sodass wir uns vorzeitig freinahmen und uns dann erst einmal ausruhten.
Nach einer angemessenen Pause holten wir die Fahrräder aus dem Schuppen und fuhren zum Bananenstand. Da wir es bis jetzt immer noch nicht geschafft hatten den Paronella Park, #1 Must-Do in Queensland (fragt uns nicht wer da abgestimmt hat), zu besuchen, beschlossen wir kurzerhand dem Park einen Besuch abzustatten. Natürlich hatten wir beide kein Geld dabei gehabt, weshalb wir dann auch nicht in den Park durften. Jedoch hatten wir auch nicht groß das Gefühl gehabt etwas verpasst zu haben.
Dienstag:
Abreise! Wir wären eigentlich gerne noch länger geblieben, aber unser doch ziemlich kurzer Aufenthalt in Australien lässt dies manchmal nicht zu. Nun sind wir in Mission Beach und versuchen unsere weitere Reise zu planen.
Für diejenigen, die es noch nicht gesehen haben: Wir haben neue Bilder in unserer Galerie (HIER). Die Unterwasserbilder stammen nicht von uns, da wir leider noch keine Unterwasserkamera besitzen.