Vor einiger Zeit (s. letzten Beitrag) haben wir eine dreitägige Self-Drive Tour auf Fraser Island absolviert. Das ist übrigens die größte Sandinsel der Welt und wie mich meine Mutter noch vorher erinnert hat geschehen hier mehr Autounfälle, verursacht durch unfähige Backpacker, als Unfälle mit Wildtieren. Außerdem ist es der einzige Ort auf der Welt, wo ein Tropenwald auf Sand wächst. Wir waren uns also der Gefahren von Fraser Island durchaus bewusst, als wir uns morgens um 7:30 Uhr bei unserem Veranstalter “Palace” zum Sicherheitsbriefing einfanden, wo wir erstmals einige mehr oder weniger informative Filme anschauten und anschließend unseren Tagesplan, eine Einkaufsliste und unsere Gruppe erhielten. Unsere Gruppe bestand außer uns noch aus 4 Deutschen, einem Pärchen aus Norwegen und einer Schwedin. Schnell stellten wir fest, dass wir nur einen Fahrer haben würden, da er der einzige war, der über 21 war und auch bereit war zu fahren, weil die Schwedin sich das nicht zutraute. Nach einer kurzen Einweisung zum Allradantrieb und nachdem wir dann noch unsere Campingausrüstung in unserem kleinen Auto verstaut hatten, ging es noch zum Gruppeneinkauf und dann bereits zum Ferry Terminal. Gegen Mittag betraten wir dann Fraser Island, wo wir, nachdem wir Luft aus den Reifen gelassen hatten, uns gleich auf den Weg zur Central Station machten. Schnell merkten wir, dass das größte Abenteuer auf Fraser Island das Fahren ist, denn die Straße (schon das Wort Straße ist eigentlich unangebracht) bestand im Wesentlichen aus 2m-Löchern und Hügeln. Zusätzlich gibt es grundsätzlich nur eine Spur und am Anfang blieben wir circa alle 100m im Sand stecken und wir mussten aussteigen und buddeln. Und wenn nicht wir im Sand stecken blieben, dann war es das Auto vor uns. Aber langsam gewöhnte sich unser Fahrer an das Fahren im Sand und glücklicherweise passierte auch sonst beim Fahren nichts weiter spektakuläres. An dieser Stelle tauften wir unser Auto auf den Namen “Wall-E”, damit wir es wenigstens angebracht anfeuern können. Auf jeden Fall brauchten wir viel zu lange, um die Insel zu durchqueren und zum östlichen Strand zu gelangen, sodass wir keine Zeit mehr hatten unterwegs stehen zu bleiben, weil man bei Dunkelheit nicht mehr fahren darf und auf dem Campingplatz angelangt sein muss. Am Strand angekommen, war es dann schon 4 Uhr nachmittags und somit Ebbe und deswegen fuhren wir gleich den Strand hoch bis zu unserem Campingplatz, der aber kein richtiger Campingplatz, sonder vielmehr ein Stück Strand ist, an dem man Campen darf (Keinerlei sonstige Einrichtungen, wie ein Wasserhahn oder Toiletten). Danach stand Zelte aufstellen und kochen auf dem Programm, wenn möglich noch bevor die Sonne untergeht und zumindest ersteres schafften wir auch, auch wenn das Befestigen von Heringen im Sand ein wenig sinnlos ist und dem Zelt so gut wie keine Stabilität gibt. Beim Kochen mussten wir dann feststellen, dass unsere Gasflasche und unser Kocher zwei verschiedene Anschlüsse hatten und sich in keinster Weise verbinden ließen. Wir versuchten die beiden Enden mit einem langem Stück Stoff festzuschnüren, dieses fing beim Versuch den Herd anzumachen jedoch Feuer. Deshalb mussten wir warten bis eines der anderen Palace-Autos fertig war mit kochen, bevor wir anfangen konnten mit essen machen. Unser Team erhielt dann liebevoll den Gruppennamen “nobarbecue”.
Irgendwie bekamen wir uns dann doch noch vollständig organisiert und sobald es dunkel wurde, waren auch die ersten Dingos da, die die ganze Nacht um unser Lager strichen und teilweise ganz schön nah kamen, weshalb man plötzlich zu zweit pinkeln gehen musste. Da wir uns in einem Nationalpark befanden, war das Feuermachen verboten und deswegen mussten wir im Dunkeln sitzen. Aber wir waren auch relativ schnell so müde, dass wir früh schlafen gingen und auch schnell den Versuch aufgaben keinen Sand in den Schlafsack zu bekommen. Nachts begann es dann zu allem Überfluss auch noch an zu regnen und einige wenige standen sogar auf, um Regenplanen über die Zelte zu legen. Diese dunkelten aber alles so ab, das wir am nächsten Morgen alle verschliefen, weil die Sonne nicht durchs Zelt schien. Also legten wir einen Turbogang ein und schafften es dann noch fast pünktlich um zehn nach sieben wieder loszufahren. Wir fuhren den östlichen Strand weiter hoch zum Indian Head, wo wir parkten und zu Fuß die riesige Felsenklippe erklommen. Oben angekommen wurden wir mit einem Ausblick aufs Meer belohnt, wo wir Green Turtles und Rochen erspähten, aber leider keine Haie, von denen es anscheinend jede Menge hier geben sollten.
Weiter ging es dann mit dem Auto, über den nächsten Strand, zu den Champagne Pools, auch wenn wir bis heute nicht genau wissen, ob wir da überhaupt hätten fahren dürfen, weil es sich eventuell um einen Teil der Insel gehandelt haben könnte, wo man aus Naturschutzgründen nicht fahren darf. Immerhin ersparten wir uns einen langen Fußmarsch. Die Champagne Pools sind so ziemlich der einzige Ort auf Fraser Island, wo man im Meer baden darf, weil sonst überall Haie und Quallen unterwegs sind. Die Champagne Pools sind ein Teil der Meeres, der aber durch Felsbänke so abgetrennt ist, dass keine Haie eindringen kann und das Meer kann auch nur durch besonders hohe Wellen eindringen und weil das dann anscheinend wie Champagner aussieht, heißten die Pools auch Champagne Pools. Und dann gingen wir natürlich auch baden, auch wenn es etwas kalt war und wir uns nicht richtig vorstellen konnten, wie die Quallen von den Felsen abgehalten werden, aber einfach nicht dran denken…
Dann stand noch Sonnen und Ausruhen auf dem Programm und letztendlich noch der Abwasch vom vorherigen Tag, den wir da mangels Licht und Wasser nicht erledigen konnten. Dann konnten wir wieder einen Kocher schnorren und versuchten Reis mit den restlichen Hamburgern zu kochen, wobei der Reis nur bedingt weich wurde, was besonders Martin ziemlich eklig fand, weshalb sein Essen auch schnell in der Mülltonne gelandet ist. Dann gingen wir nochmal baden und dann war es bereits wieder Abend und damit kurz vor Ebbe und somit durften wir wieder am Strand fahren. Also ging es den ganzen 55km langen Strand wieder runter wo wir dann unser Nachtlager aufschlugen und erneut versuchten etwas Essbares zustande zu bringen. Diesmal gab es Penne mit Sauce Bolognese, was ohne Gewürze aber nicht so der Renner war. Nachdem wir dann noch ein paar Betrunkene von anderen Gruppen beobachtet hatten und super Gespräche mit fragwürdigen Themen (nein, ihr wollt’s nicht wissen) geführt hatten ging es dann auch mal wieder schlafen.
Diesen Morgen standen wir wenigstens rechtzeitig auf, dafür nieselte es und unser Toastbrot ging zur Neige weshalb es streng rationiert wurde (ein Scheibe Frühstück, zwei Scheiben Mittagessen). Der uns vorgegebene Plan sah vor zuerst zum Lake Wabby und dann zum Lake McKenzie zu fahren, aber wegen dem anhaltenden Nieselregen und Müdigkeit ließen wir die Wandertour zum Lake Wabby weg und gingen gleich zum Lake McKenzie. Das ist einer der Süßwasserseen auf Fraser Island. Außerdem wird er von einem weißen Sandstrand umgehen und kann kristallblaues Wasser aufweisen. Pünktlich mit unserer Ankunft hörte auch der Regen auf und nach drei Tagen ohne Dusche stürzten wir uns ins Wasser. Den restlichen Tag verbrachten wir damit am Strand rumzugammeln und Schach zu spielen. Dabei vergaßen wir das gründliche Einkremen, was besonders Martin bereute, weil er sich dann drei Tage das Gejammer von Jana anhören durfte
.
Kurz nach dem Mittagessen war es auch wieder Zeit alles zusammenzupacken, wobei leider unser Original Erzgebirge Schachspiel dran glauben musste. (Nachtrag: Dank 2-Dollar-Kleber funktioniert wieder alles). Dann fuhren wir wieder zum Ferry Terminal, wo wir noch die Reifen aufpumpten und dann ewig auf die Fähre warten mussten. In der Zwischenzeit stellten wir fest, dass das Benzin so gut wie alle war und außerdem der erste Gang nicht mehr funktionierte. Wieder auf dem Festland mussten wir noch unser Auto aufräumen und alles spülen. Zum Glück bemerkte niemand die kaputte Gangschaltung und wir bekamen unseren vollen Pfandbetrag zurück. Wieder zurück in unserem Hostel (das übrigens den Namen Friendly Hostel trägt) gönnten wir uns ein Zweierzimmer und gingen erstmal duschen und gleich im Anschluss Wäsche waschen. Irgendwie war einfach überall Sand drin und sonderbarerweise auch auf unserem Bett. Abends trafen wir nochmal unsere Gruppe zur 10-Dollar-All-You-Can-Eat-And-Drink-Pizza. Vollgestopft mit leckerer Pizza und Softdrinks wollten wir noch ein wenig zusammensitzen, aber bereits um 9 Uhr waren wir so müde, dass wir mehr oder weniger im Sitzen einschliefen und deswegen früh ins Bett gingen, das so unendlich bequem war im Vergleich zu einer sandigen Isomatte und auch noch die nächsten Tage waren wir voll und ganz damit beschäftigt uns von Fraser Island zu erholen, was wir dann auch voll und ganz taten, indem wir eigentlich nichts machten außer Essen, Schlafen und Filme gucken. Und weil man dort so gut kochen konnte, brachten wir sogar Frühlingsrollen, Kartoffelsuppe und Muffins zustande.